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Sani-Station: Schluss mit primitiven Entsorgungssystemen auf Stellplätzen!

Von Wolfgang Ramsteck

Die Überschrift zu diesem Beitrag ist als Aufruf zu verstehen, quasi meine Forderung an Stellplatzbetreiber und ihre Planer. Es sollen sich diejenigen Verantwortlichen angesprochen fühlen, die uns bisher solch primitive Einrichtungen zumuten. Denn was heute teilweise als „Entsorgungsstation“ bezeichnet wird ist im Grunde eine Minimallösung und nur auf dem Papier tauglich, auf jenem Plan, welcher der Behörde zur Genehmigung für das Betreiben des Stellplatzes vorzulegen ist. Den beteiligten Personen unterstelle ich, dass sie von einer eigenen Praxiserfahrung im Gebrauch weit entfernt sind. Anders lässt es sich nicht erklären, warum diese Bauform akzeptiert wird. So orientiert sich manch neuer Stellplatzbetreiber am Stand der Technik in der Nachbarkommune und meint, das ist so in Ordnung. - Was zu der heute üblichen Konstruktion mit ihren diversen Varianten geführt hat, ist mir im Detail unbekannt. Bestimmt war es gute Absicht aber ganz sicher stand häufig das Ziel ‚billig’ im Vordergrund und die Begriffe ‚Ergonomie’ und ‚Hygiene’ blieben außen vor.

Zu den unabdingbaren Voraussetzungen, den Fäkalientank der Bordtoilette spritzfrei in die entsprechende „Entsorgungsöffnung“ einer dieser Säulen entleeren zu können, zählen ausreichende körperliche Beweglichkeit, eine gesunde Rückenmuskulatur und die Fähigkeit gut zielen zu können. Wer seine Kassette erst entleert, wenn es höchste Zeit wird, der hat an diesen Stationen noch mehr „Freude“. Der Platz für den Wasserhahn für das erforderliche Spülwasser ist dann der endgültige Beweis, dass die Konstrukteure solcher Anlage kaum aktive Reisemobilisten sein können. Ich bin erstaunt, wie viele von uns die Primitivität und das Werkeln in gebückter Haltung klaglos ertragen. Vermutlich aus Gewohnheit.

Nein, es muss ein Ende haben mit unzumutbaren Bauarten. Schließlich werden wir alle nicht jünger! Diese Fehlkonstruktionen müssen ersetzt werden durch gebrauchstaugliche Entsorgungsstationen. Hygienische und ergonomisch einwandfreie Lösungen bedeuten nicht zwangsläufig Mehrkosten. Mit dem Argument „zu teuer“ sollten wir uns deshalb auch nicht abspeisen lassen und der dringend notwendige Fortschritt nicht verhindert werden. Stellplätze mit intelligenten Lösungen gibt es bereits, zur Nachahmung dringend empfohlen.

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Foto: Wolfgang Ramsteck
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Foto: Wolfgang Ramsteck
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Foto: Wolfgang Ramsteck
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Foto: Wolfgang Ramsteck

(Bild 1): Ein Beispiel für die Standard-Situation „Bück’ dich!“ Typische Sani-Säule, aber bereits „veredelt“ mit einem Schlauchwagen für Frischwasser. Die Station steht zu allem Übel auch noch an einer Zufahrt mit Gefälle.

(Bid 2) und (Bild 3): So soll es sein! Eine Rinne für Grauwasser auf geneigter Stellfläche und ein vandalensicherer großer Ausguss in ergonomisch einwandfreier Höhe zur Entleerung der Kassette, mit Spülschlauch und Abstellfläche. Trinkwasserhahn (nicht im Bild) ist aus hygienischen Gründen ganz bewusst mit Abstand installiert. Besser geht nicht!

(Bild 4): Eine „kreative Lösung“, gut und akzeptabel, wenn Münzbetrieb sein soll. Ein großflächiger Gully verbirgt sich unter der Blechabdeckung. Nach Einwurf einer 2 Euro-Münze entsperrt die Verriegelung und der Blechdeckel kann mittels Seil angehoben werden. Links neben der Verkleidung der Spülwasserschlauch, rechts ein Wasserhahn für Frischwasser, zum Anschluss des bordeigenen Wasserschlauchs. Die Anlage funktioniert ohne Zeit- und Mengenbegrenzung, d. h. nach dem Hochklappen des Deckels kann man in Ruhe den Tankauslass seines Fahrzeuges über die Öffnung steuern. Je nach Fahrzeugtyp ist Tank lenzen und Kassette entleeren gleichzeitig möglich.

Am bisher weitverbreiteten System stört mich auch die Einschränkung, nur nach Einwurf entsprechender Münzbeträge diese tollen Entsorgungssäulen überhaupt nutzen zu können. Ein Münzautomat für die Übernachtungsgebühr, welche auch die Benutzung der ‚Sani-Station’ beinhaltet, vereinfacht es allen. – Ich kenne die Gegenargumente, wie Missbrauch oder Wasserverschwendung. Sie überzeugen mich nicht, denn die in meinen Augen vorbildlichen Sani-Anlagen beweisen, dass es auch anders geht und bestens funktioniert. Einen Münzautomat an der Entsorgungsstation akzeptiere ich nur auf einem Stellplatz, für den keine Parkgebühren erhoben werden, denn irgendwie muss der Stellplatzbetreiber seine Kosten decken können.

Was heißt vorbildlich?

Wer viel durch Italien reist, der kennt die unkomplizierte Art und Weise der Tankentleerung, wie sie auf Autobahnraststellen, Parkplätzen und auf Stellplätzen möglich gemacht wird: Eine mit einem Gitterrost abgedeckte Rinne quer über die Entsorgungsfläche und daneben eine Säule für Spülwasser und Frischwasser. Eine entsprechende Neigung der Stellfläche sorgt dafür, dass die Kollegen, die ihr Fahrzeug mit dem Auslassventil nicht punktgenau über der Rinne positionieren (können), ebenfalls ohne „Sauerei“ ausgießen können. An den neueren Plätzen funktioniert das Spülen der Auffangrinne wie beim häuslichen WC, per Knopfdruck.  Die Entleerung fester Fäkalientanks und der üblichen Kassetten erfolgt ebenfalls über die Rinne.

Dazu ist zwar auch eine gebückte Haltung erforderlich, aber es gibt ausreichend Platz und ein punktgenaues Zielen entfällt. Erfahrene Reisemobilisten lenzen zuerst den Fäkalientank und dann den Grauwassertank. Und besonders reinliche verwenden anschließend ihre Bordgießkanne zur Beseitigung etwaiger Kleckerspuren. – Das funktioniert alles einwandfrei. Mehr braucht es im Grunde nicht. Leider gibt es überall Menschen, die das Miteinander nicht beherrschen oder zur Sauberkeit ihre höchst eigene Vorstellung haben. Dagegen hilft auch keine Sonderkonstruktion, sondern nur das gemeinsame Anprangern und bei Uneinsichtigkeit das konsequente Anzeigen der Umweltferkel, damit sie uns mit ihrem Fehlverhalten nicht weitere gesetzliche Einschränkungen verursachen.

Was ist zu tun?

Die sogenannte „Rückkopplung“ ist erforderlich, ein mündlicher oder schriftlicher Kommentar an den Platzwart oder Stellplatzbetreiber, dass uns die primitive Entsorgungsstation nicht gefällt und wir die Plätze mit besseren Lösungen bevorzugt anfahren. Was kann die RU tun? Wir können in unserem Beratungsangebot zur Stellplatzgestaltung auf die aktuellen Probleme hinweisen und gute, praxisgerechte Lösungen als Beispiele aufzeigen. Wir können helfen, dass die Herausgeber von Stellplatzführern sensibilisiert werden und auf vorbildliche Entsorgungsanlagen auf Stellplätzen entsprechend hinweisen. In jedem Fall muss jeder von uns, der sich Verbesserungen wünscht, seine Erwartungen kundtun, wo immer und wann immer dieses Thema angebracht ist.

wolfgang.ramsteckt-onlinede

 

Mit freundlicher Genehmigung des Autors.