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Thema: Aufbauarten

Wie bei den Pkw gibt es auch bei Wohnmobilen eine Reihe unterschiedlicher Karosseriegrößen und -formen, die die spätere Nutzung des Fahrzeugs wesentlich bestimmen.

1. Kastenwagen (Kawa)

Konstruktionsprinzip:

Originalkarosse des Fahrzeugherstellers, wie sie auch als Lieferwagen bzw. Kleinbus verwendet wird. In diese vorgegebene Hülle wird eine Wohneinrichtung eingebaut.

häufig genannte Vorzüge:

handlich im Strassenverkehr / auch als „Alleinauto“ verwendbar / geringe Parkprobleme, auch für Transportzwecke zu gebrauchen

häufig genannte Nachteile:

enges Platzangebot / schwache Isolierung = eingeschränkte Wintertauglichkeit / seitliche Schiebetür bei Schlechtwetter unpraktisch

2. Teilintegriertes Wohnmobil (TI)

Konstruktionsprinzip:

Der Fahrzeughersteller liefert das Chassis einschliesslich des Originalfahrerhauses, der Wohnmobilhersteller baut auf das Chassis seinen selbst konstruierten Aufbau und verbindet ihn mit dem Fahrerhaus. Durchgang Wohnraum/Fahrerhaus bleibt offen. Fahrer- und Beifahrersitz sind drehbar und somit als Sessel für die dahinter befindliche Halbdinette (Tisch und Sitzbank) verwendbar. Das ergibt im Normalfall 4 brauchbare Sitzplätze, wobei die Sitzbank mit Gurten ausgestattet ist und auch während der Fahrt benutzt werden darf.

TI-Modelle gibt es auch mit „Doppelboden“, als Funktionsboden zur frostsicheren Installation von Versorgungskomponenten oder als Boden mit zusätzlichem Stauraum. Viele TI-Modelle orientieren sich an der 3,50 to Grenze für die zulässige Gesamtmasse. TI gibt es in der klassischen Breite von ca. 235 cm, seit kurzem bieten viele Hersteller aber auch schlankere Versionen (220 cm Breite) an, oft unter der Bezeichnung „Van“

häufig genannte Vorzüge:

vergleichsweise niedrige Bauform = geringerer Luftwiderstand und geringere Seitenwindempfindlichkeit / gefällige Karosserieform / Originalfahrerhaus ist funktional und sicherheitstechnisch erprobt. TI erlauben bei Fahrzeuglängen von 6 bis 8 m eine großzügige Raumaufteilung auch in Bezug auf Längsbetten, Dusche/WC, Kleiderschränke und Küche.

Bei vielen TI befindet sich unterhalb des im Heck eingebauten Schlafzimmers eine sogenannte „Garage“ für den Transport von Zubehör, Campingmöbeln, Fahrrädern etc.

häufig genannte Nachteile:

schlechte Isolierung des Originalfahrerhauses = Kältebrücke / bei mehr als 2 Personen müssen entweder Betten gebaut werden (aus der Dinetten-Sitzgruppe) oder ein Hubbett an Bord sein.

Durch die „Garage“ haben viele TI-Modelle, speziell in Verbindung mit Längsbetten, einen großen Hecküberhang, der bei Rampen (z.B. Fähren) oder bei Stellplatzbegrenzungen aufsetzen kann.

3. Alkoven

Konstruktionsprinzip:

Fahrzeugtechnisch entspricht es dem teilintegrierten Wohnmobil, nur ist das Schlafzimmer wie eine Koje oberhalb des Fahrerhauses untergebracht. Auch einige Alkoven-Mobile weisen Doppelböden auf, was wegen des schon höheren Fahrerhausüberbaus aber die Gesamtfahrzeughöhe deutlich über 3 m bringt.

häufig genannte Vorzüge:

komfortable Bettengröße möglich, bei neueren Modellen auch als Längsschläfer / weil das Bett im Bug ist lässt sich eine bequeme Rundsitzgruppe im Heck unterbringen / auch für größere Familien geeignet. Bei vielen Alkovenmodellen lässt sich das Fahrerhaus vom Wohn-/Schlafraum durch eine Tür abtrennen; mit entsprechender Isolierung entsteht so im unteren bis mittleren Preissegment – im Vergleich zu sämtlichen anderen Aufbauarten – die bestmögliche Wintertauglichkeit.

häufig genannte Nachteile:

hohe Aufbauform = hoher Luftwiderstand, höhere Seitenwindempfindlichkeit und höherer Treibstoffverbrauch / Wankneigung / durch den Überbau des Alkovens eingeschränkte Sicht vom Fahrersitz nach oben (Äste, niedrige Durchfahrten, Ampeln oberhalb der Fahrbahn)

4. Vollintegriertes Wohnmobil (VI)

Konstruktionsprinzip:

vom Fahrzeughersteller kommt das nackte Fahrgestell ohne Fahrerhaus, nur mit Lenkrad und Pedalerie. Der Wohnmobilhersteller baut das gesamte Fahrzeug auf, vom vorderen bis zum hinteren Stossfänger. VI werden mehrheitlich zwischen 6 bis 9 m angeboten. VI-Modelle liegen meist bei 4,00 bzw. 4,25 to zulässiger Gesamtmasse, oft auch darüber. Viele VI-Modelle weisen ebenfalls eine großzügige Garage auf. Nahezu alle VI besitzen von außen zugängliche Doppelböden.

häufig genannte Vorzüge:

gutes Raumgefühl, weil die Fahrerkabine in gesamter Fahrzeugbreite in den Aufbau integriert ist / gute Isolierung, weil Aufbau und Fahrerkabine identisch konstruiert sind / durch die großzügige Verglasung (Front und Seiten) Panoramagefühl ähnlich einem Reisebus / viele VI werden mit Warmwasserheizung angeboten / gute Wintertauglichkeit

häufig genannte Nachteile:

Karosserieteile entstammen Kleinserienfertigung / aufwändige Reparaturen bei Beschädigung im Fahrerhausbereich / teilweise ungünstige Zugänglichkeit zum Motorraum / hohe Aufbauform und sehr steile Frontpartie = hoher Luftwiderstand / häufig keine Beifahrertür vorgesehen / oft lange Hecküberhänge durch Garage

5. Liner

Konstruktionsprinzip:

Fahrzeugtechnisch entspricht der Liner dem vollintegrierten Wohnmobil, ist im Gegensatz zum VI aber auf LKW- bzw. Bus-Fahrgestellen aufgebaut. Damit unterscheiden sich Liner von allen anderen Wohnmobilarten, deren Basis immer ein Leicht-LKW ist. Liner gibt es auch mit integrierter Garage für Klein-PKW.

häufig genannte Vorzüge:

sehr großzügige und luxuriöse Raumaufteilung und Einrichtung / kaum Stau- oder Zuladungsprobleme / sehr gute Übersicht durch extrem hohe Sitzposition / Aufteilung und Einrichtung oft individuell wählbar

häufig genannte Nachteile:

wegen der Abmessungen und Eigengewichte auf vielen Stell- und Campingplätzen nicht verwendbar / schlechte Manövrierfähigkeit im Stadtverkehr / Anschaffung und Unterhalt sehr aufwändig / Brücken, Unterführungen etc. mit geringer Durchfahrtshöhe sind oft nicht passierbar.

Grundsätzlicher Nachteil bei hohen Reisemobilen (über 3,10m): Deutlich höhere Autobahn-Mautgebühren in Frankreich. Gilt auch für Anhängerbetrieb.

6. Absetzkabine / Pickup

Konstruktionsprinzip:

Wohnaufbau, der bei Bedarf auf die Pritsche eines Geländewagens oder Kleintransporters gesetzt wird. Da der Aufbau bei Nichtgebrauch auf Stützen separat abgestellt werden kann, lässt sich das Fahrzeug auch weiterhin als Transporter nutzen.

häufig genannte Vorzüge:

Mehrzweckfahrzeug = 1 Auto für unterschiedliche Verwendungszwecke / meist hohe Geländegängigkeit / bei Verwendung als Reisemobil hohe Mobilität, weil man die „Wohnung“ am Stellplatz stehen lassen und das Auto für Ausflüge, Besorgungen benutzen kann.

häufig genannte Nachteile:

enges Raumangebot / Sanitärinfrastruktur nur bedingt möglich / relativ teuer, da Einzel- bzw. Kleinstserienfertigung / keine Sitzplätze im Wohnbereich / Zugang auf Pritschenhöhe kann beschwerlich sein