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Thema: Reisemobil-Stellplatz oder Campingplatz?

Zwischen den Begriffen „Reisemobil“ und „Caravan“ bestehen erhebliche Unterschiede, daher läßt sich die Frage nach dem idealen Reiseziel nicht definitiv beantworten.

Entwicklung des Reisemobil-Tourismus

Der Caravan ist der Vorgänger des Reisemobils und unterscheidet sich von diesem insbesondere durch die fehlende Autarkie. Ein Reisemobil verfügt über fest verbaute Frischwassertanks, Toiletten und Abwasserbehälter und ermöglicht es den Reisenden vorübergehend, ohne elektrische Stromversorgung und Sanitäranlagen auszukommen. Damit ist das Reisemobil eine Voraussetzung, um sich auch abgelegenen touristischen Zielen nähern zu können - oder auch „erlebnisnah“ zu stehen und innerstädtische Waren- und Dienstleistungsangebote zu nutzen.

Diese Freiheit ist den Nutzern eines Caravan aber verwehrt, da diese auf den meist stadtfernen Campingplätzen stehen müssen. Reisemobilfahrer haben hingegen das Handicap der mangelnden Beweglichkeit: Nur die wenigsten Luxusmodelle führen einen kleinen PKW mit sich, um dem Urlauber die nötige Mobilität zu gewährleisten. Caravanfahrer können hingegen ihren PKW einfach abkoppeln und -witterungsunabhängig- Fahrten zu unternehmen.

Betreiber von Campingplätzen neigen zudem dazu, ihre Plätze in der kalten Jahreszeit zu schließen. An einen Besuch von Weihnachtsmärkten, oder Wintersport ist dort nicht zu denken. Die Betreiber von Stellplätzen richten hingegen schon seit über 20 Jahren spezielle Plätze "erlebnisnah" ein, was ihren Gästen einen Besuch in der Stadt "per pedes" ermöglicht. Ein dichtes Netz von winterfesten Ver- und Entsorgungsanlagen ermöglicht es dem Reisemobilfahrer, die Ab- und Grauwassertanks zu leeren, Frischwasser zu füllen und damit ihre zeitweise Autarkie wiederherzustellen.

Wohnwagen oder Reisemobil

Die Begriffe Wohnwagen und Caravan, beziehungsweise Reisemobil, Wohnmobil und Motorcaravan werden synonym verwendet.

Ein Caravan wird vom PKW zum Zielort gezogen, um dort fest abgestellt die Stellzeit zu verbringen, erfüllt also den Verwendugszweck eines kleinen Ferienhauses. Da die Ausmaße eines Caravan begrenzt sind, muß dieser durch externe Sanitäranlagen und meist auch ein Vorzelt ergänzt werden.

Für Stadt- oder Erlebnisfahrten kann der PKW abgekoppelt werden, der Caravan muß nicht bewegt werden und bleibt normalerweise für die gesamte Zeitspanne der Urlaubs auf seiner Parzelle stehen.

Ein Reisemobil ist hingegen gleichzeitig Wohnraum und Kraftfahrzeug. Durch die (im Vergleich zum PKW) erheblichen Ausmaße ist er naturgemäß schwerer zu steuern - aber immer noch einfacher, als ein PKW mit Caravan.

Die komfortablere Beweglichkeit eines Reisemobils im Gegensatz zu einem Caravan-Gespann ermöglicht eine häufige Ortsveränderung ohne Mühe, daher ist ein Wohnmobil geeignet für Stadtrundfahrten und Rundreisen, in denen das Wohnmobil jeweils für wenige Tage auf einem Stellplatz verbleibt.

Der offizielle Begriff "Motorcaravan" ist in der DIN EN 13878:2003 wie folgt definiert: Bewohnbares Freizeitfahrzeug mit eigenem Antrieb, das die Anforderungen für die Konstruktion und Benutzung als Straßenfahrzeug erfüllt.

Hersteller verwenden umgangssprachlich den Begriff „Reisemobil“, der Gesetzgeber hingegen hat sich auf den Begriff „Wohnmobil“ festgelegt. Der Begriff „Wohnmobil“ ist emotional stärker geprägt, daher wird im persönlichen, umgangssprachlichen Gespräch das Wort „Wohnmobil“ häufig verwendet.

 

Die Richtlinie 2007/46/EG legt die Bedingungen für Fahrzeuge zur Einstufung als Wohnmobil fest, was insbesondere für die Anwendbarkeit von Ausnahmegenehmigungen und die Nutzung von speziell gekennzeichneten Parkmöglichkeiten wichtig ist:

Gemäß Rahmenrichtlinie für Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger 2007/46/EG Anhang II Nr. 5 „Fahrzeuge mit besonderer Zweckbestimmung“ wird der Begriff „Wohnmobil“ (Aufbauart SA) wie folgt definiert:

Fahrzeug der Klasse M mit Platz für die Unterbringung von Personen, das mindestens die folgende Ausrüstung umfasst:

  1. Tisch und Sitzgelegenheiten
  2. Schlafgelegenheiten, die u. U. tagsüber als Sitze dienen können
  3. Kochmöglichkeit
  4. Einrichtungen zur Unterbringung von Gepäck und sonstigen Gegenständen.

Diese Ausrüstungsgegenstände sind im Wohnbereich fest anzubringen. Allerdings kann der Tisch leicht entfernbar sein.

Die mangelhafte Mobilität der Reisemobilfahrer, denen der wendige PKW z.B. zum Einkaufen fehlt, nötigt ihn, vermehrt „erlebnisnah“ zu stehen, also Stellplätze nahe am Stadtzentrum aufzusuchen.

Kurz zusammengefasst: Der Caravan steht während des gesamten Urlaubs an seinem Platz; die Reisenden starten von diesem Domizil aus ihre Tagesausflüge, unterstützt durch die Mobilität des abgekoppelten PKW. Reisemobile hingegen werden bevorzugt für häufig wechselnde Standorte, Rundreisen und Städtetouren eingesetzt.

Campingplatz oder Reisemobil-Stellplatz

Durch die fehlende Autarkie im Caravan müssen Campingplätze über eine umfangreiche Infrastruktur verfügen: sanitäre Anlagen wie WC, Wasch- und Duschmöglichkeiten und permanenter Stromversorgung, um den Bedürftnissen der Camper gerecht zu werden.

Die regelmäßig stadtferne Lage der Campingplätze spricht vor allem Familien mit Kindern an, da diese nah an der Natur sind und spannende Spielmöglichkeiten finden.

Steht bei Reisemobilfahrern Entspannung und Erholung auf dem Programm, steuern diese gerne einen Campingplatz an.

Die Parzellen der Campingplätze sind meist komfortabel in der Breite (Vorzelt!), jedoch oft in der Tiefe nicht auf die erheblichen Abmessungen eines Reisemobils abgestimmt. Auch die Rangierflächen auf Campingplätzen sind oft für Reisemobile sehr knapp bemessen. Eine gewisse Rangiererfahrung des Fahrers ist hier von erheblichem Vorteil.

Stellplätze für Reisemobile hingegen sind mit einfachen Versorgungseinrichtungen (Stromversorgung, Frischwasser, Abwasserentsorgung) ausgestattet, was für die Bedürftnisse der Reisemobilfahrer genügt, jedoch kaum den Komfortansprüchen des Campers entspricht.

Im Gegenzug kann ein Campingplatz keinen Stellplatz ersetzen, da die Reisemobilfahrer auf erlebnis- und oft stadtnahe Parzellen angewiesen sind. Die Reisemobilfahrer betrachten den Campingplatz lediglich als willkommene Ergänzung zum Stellplatz.

Infrastruktur – Angebote für Reisemobilfahrer

Wie bereits erwähnt, bieten Campingplätze eine erhebliche Menge an Dienstleistungen, darunter etwa:

  • Platzverwaltung (mit Servicepersonal)
  • Sanitärgebäude mit Waschräumen, Duschen, WC, Waschmaschine und Trockner
  • elektrische Stromversorgung
  • oft Internet per WLAN
  • Ver- und Entsorgung (Frischwasser, Grauwasser, Schwarzwasser)
  • Spielplatz
  • Grillplatz, sehr oft auch mit platzeigenem Restaurant
  • Animation

Für die geringen Bedürftnisse des teilautarken Reisemobilfahrers ist dieses Overkill und stellt eine kostspielige Überversorgung dar.

Auf Campingplätzen sind die Ver- und Entsorgungsstellen häufig weit von den Parzellen entfernt und für das sperrige Reisemobil nur umständlich zu erreichen: die fest verbauten Abwasser- und Frischwassertanks machen ein regelmäßiges Anfahren des Reisemobils an die Entsprgungsstation nötig.

Damit können wir die Wünsche für den idealen Stellplatz zusammenfassen (ohne Einhaltung einer speziellen Reihenfolge):

  • erlebnisnahe Lage
  • ebene Stellflächen der Mindestmaße 10x5 Meter
  • großzügig bemessene Rangierflächen
  • ungehinderte An- und Abreise
  • ganzjährige Saison
  • elektrische Stromversorgung
  • leicht zu nutzende Ver- und Entsorgungsanlagen

Sogenannte "Komfortstellplätze", auch "Reisemobilhafen" genannt, nähern sich in Bezug auf die Infrastruktur und Unterhaltungswert einem Campingplatz an, für diese Dienstleistung ist aber auch eine hohe Gebühr zu zahlen. Es ist selbstverständlich, daß die Infrastruktur und deren Inbetriebhaltung mit Kosten verbunden ist, die an die Kunden weitergereicht werden müssen.

Auf Campingplätzen ist die Gebühr für ein Reisemobil (mit 2 Personen) folglich mit €10 bis €35 je Nacht deutlich gegenüber den €0 bis €10 auf einem Stellplatz erhöht, vorausgesetzt daß auf dem Stellplatz keine Zusatzangebote (Strom, WLAN) genutzt werden.

Es ist durchaus verständlich, daß der Reisemobilist lediglich für die Infrastruktur bezahlen möchte, die er auch in Anspruch zu nehmen gedenkt.

Campingplätze bieten zwar eine umfangreiche Infrastruktur, treffen damit aber nicht die Anforderungen des Reisemobilfahrers. Dieser bevorzugt einen einfachen und preisgünstigen Platz in guter Lage mit der notwendigen Infrastruktur, um die Autarkie des Reisemobils nach Bedarf wiederherzustellen.

Zusammenfassung

Fassen wir die Erkenntnisse unseres Vergleiches zwischen Campingplatz und Stellplatz zusammen, stellen wir fest, daß beide ihre Berechtigung haben, für Reisemobilfahrer aber folgende Vor- und Nachteile haben:

Vorteile:

  • Häufig ruhige und naturnahe Lage
  • umfangreiche Infrastruktur

Nachteile:

  • Häufiger in der kälteren Jahreszeit geschlossen
  • vielfach keine An- und Abreise mittags und nachts möglich
  • selten stadtnahe Lage
  • V/E-Anlage gelegentlich platzfern platziert (weite Wege)
  • hohe Nutzungsgebühren

Aber gemäß dem Sprichwort "nobody's perfect" haben auch Stellplätze ihre Vor- und Nachteile aus der Sicht des Reisemobilfahrers:

Vorteile:

  • Vielfach erlebnisnahe Lage (stadtnah)
  • jederzeitiger Zugang
  • auf Reisemobil-Tourismus angepasste Infrastruktur
  • häufig deutlich geringere Nutzungsgebühren
  • Stellflächen und Rangierräume häufig an Größe der Reisemobile angepasst

Nachteile:

  • separate Stellflächen noch kein Standard
  • V/E-Anlagen nicht an jeder Stellplatzanlage
  • elektrische Stromversorgung nicht überall verfügbar

Die unterschiedlichen Bedürftnisse von Caravan- und Reisemobilfahrern, die erheblich voneinander abweichen, lassen erkennen daß:

  • Reisemobilisten Stellplätze benätigen
  • Campingplätze aber ab und zu als zusätzliches Angebot genutzt werden
  • diese aber keine Stellplätze ersetzen können.

Aus der Perspektive von Reisemobilfahrern lautet die Frage also nicht: "Stellplatz oder Campingplatz", sondern die Antwort darauf: beides!