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Über die Alpen, aber richtig!

Ein Tourentipp für alle, die ohne Autobahn die Berge überqueren wollen.

ein Artikel von Wolfgang Ramsteck

(Es macht Sinn, vor dem Lesen des Artikels eine Straßenkarte der deutschen und österreichischen Alpen bereit zu halten.)

 

Die Mehrheit der Reisemobilisten fährt auf ihren Touren gen Süden über die Alpen. Richtig müsste es aber heißen „durch“ die Alpen, denn die Hauptverkehrsrouten führen durch Tunnel. Das spart bekanntlich viel Zeit, das Reiseziel lässt sich so schnell erreichen, denn Berge sind für viele Autofahrern nur ein Hindernis, das es bestmöglich zu überwinden gilt. - Wem der Weg das Ziel ist, wie es Geheimrat Wolfgang von Goethe formulierte, der bekanntlich seine vielen Reisen entsprechend gestaltete und uns Reisemobilisten durchaus als ein Vorbild gelten darf, der will die schönsten Ausblicke während der Fahrt über die Alpen durch möglichst wenige Tunnel eingeschränkt erleben. Auch muss bei einem bewussten Reisen ohne Hektik der Alpentransit nicht in wenigen Stunden erledigt sein. Zwischenübernachtungen sind uns willkommen, um Land und Leute auf der Fahrt besser kennen zu lernen.

Für eine Anreise aus Deutschland über die BAB 7 oder BAB 8, mit Reiseziel Italien, Slowenien und Kroatien, gibt es ein paar schöne Strecken, die Alpen ohne Autobahn und weitestgehend ohne Tunnel zu erleben. Abseits der bekannten Hauptrouten ist der Verkehr zu allen Zeiten deutlich geringer. Schon das ist ein Vorteil, der die Freude an jeder Reise erhöht. Weniger Betrieb heißt auch, man wird nicht sogleich zum Hindernis für den nachfolgenden Verkehr, nur weil man den Fuß vom Gaspedal hebt, um einen fotogenen Blick länger genießen zu können. Und zum Anhalten bietet jede Landstraße ohnehin mehr Möglichkeiten als die Autobahn.

Hier beschreibe ich nachfolgend meine Reiseroute, die ich aus verschiedenen ähnlichen Alternativen inzwischen regelmäßig befahre, deshalb gut kenne und gerne empfehle, als komplette Route oder auch Teilstrecken davon:

Ulm – Füssen – Reutte – Fernpass – Innsbruck – Kitzbühel - Pass Thurn – Mittersil – Felbertauernstraße – Matrei - Lienz (Osttirol) – Oberdrauburg – Gailbergsattel - Kötschach-Mauthen – Plöckenpass – Paluzza – Tolmezzo – Udine - (Triest – Rijeka)

Varianten und Anmerkungen zur Route

Das Inntal (und Hinweise für „Maut-Gegner“)

Das Inntal ermöglicht – vom Fernpass kommend – die Reise über zwei „rechts“ oder „links“ parallel zur Inntalautobahn verlaufende Landstraßen, auf denen jedoch die Freude am Cruisen durch zahlreiche Ortsdurchfahrten und viele Geschwindigkeitskontrollen deutlich geschmälert wird. Die Stadtdurchfahrung Innsbruck ist auf beiden Landstraßen unvermeidbar. Die an sich gute, direkte und nach der Stadtmitte ostwärts zügig zu befahrene Straße ist im Stadtkern offiziell nur bis 3,5 t zulässig, schwerere Fahrzeuge müssen deshalb eine stadtinterne Umleitung fahren, die bewusst immer wieder zur Autobahn geführt wird. Der Zeitunterschied zwischen Autobahn- und Landstraßenbenutzung für die Streckenabschnitt Telfs bis Wörgl beträgt (je nach Gesamtgewicht) eine bis eineinhalb Stunden.

Ich fahre inzwischen nicht mehr über den Fernpass in das Inntal, sondern über München – Kufstein und weiter Richtung Wörgl (siehe nächste Anmerkung).

Nach Wörgl via München – Rosenheim – Kufstein  (und Hinweise für „Maut-Gegner“)

Bis Wörgl geht es bequemer und ebenfalls mautfrei via (Ulm – ) München –Rosenheim – Kiefersfelden / Kufstein und danach weiter wie oben aufgezählt. Hier ist die seit 1.1.2014 gültige neue Regelung zu berücksichtigen, dass der österreichische Autobahnabschnitt der Inntalautobahn ab Grenzübergang Kiefersfelden bis zur ersten Abfahrt hinter Kufstein mautpflichtig ist und deshalb die deutsche Autobahn in Kiefersfelden, also vor der Landesgrenze, verlassen werden muss und ein kleines Stück von Kufstein zu durchfahren ist, bevor es wieder auf die mautfreie Route (B 173) Richtung Kitzbühel gehen kann. Wer mit einer Go-Box im Cockpit unterwegs ist, dem empfehle ich, auf der Autobahn zu bleiben. Es „piepst“ bis zur Abfahrt Kufstein– Süd drei Mal, das ist finanziell zu verschmerzen.

Weitere Vorschläge / Empfehlungen

Transit München

Wenn München über die BAB 96 aus Memmingen-Landsberg angesteuert wird, ist die Stadt über den bekannten Mittleren Ring auch mit einem WoMo > 3,5 t legal passierbar. Offiziell ist das Befahren für den Durchgangsverkehr > 3,5 t nicht zulässig, aber es existiert eine städtische Ausnahmegenehmigung für Reisemobile. (Das muss man wissen, denn ausgeschildert ist es nicht.) Trotz zahlreicher innerstädtischer Dauerbaustellen ist die Stadtdurchfahrt im Normalfall zeit- undwegmäßig günstiger als die Umfahrung auf der BAB 99.

Zillertal

Alternativ zum Streckenabschnitt Innsbruck – Kitzbühel – Pass Thurn – Mittersil bietet sich die Route durch das Zillertal an. Im Inntal geht es dann ab Jenbach bis Zell am Ziller und über den Gerlos-Pass (Mautstrecke) vorbei an den Krimmler Wasserfällen nach Mittersil. – Ins Zillertal gelangt man ebenso, wenn man Bayern vom Tegernsee oder von Bad Tölz kommend verlässt und über den Achenpass in das Inntal fährt. Wer bereits im Zillertal übernachten möchte, steht auf dem Camping Mayrhofen im OT Laubichl (kurz vor Mayrhofen) ruhig auf einem für WoMos eingerichteten Stellplatzstreifen.

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Auf der Gerlos-Passstraße, der Alternativroute vom Zillertal nach Mittersil (Foto: Wolfgang Ramsteck)

Stop-over in Lienz

Gut geeignet und für diejenigen, die südlich der Donau den Reisetag begonnen haben auch zeitlich passend, bietet sich nach ca. 350 km in Osttirol der Raum Lienz für die Übernachtung an. Direkt in der Landeshauptstadt ist der CP Falken ausreichend ruhig und doch stadtnah gelegen. Nur knapp zwei Kilometer weiter in Amlach bietet sich der CP Amlacher Hof / Dolomiten-Camping an, der nach einer Fahrt bei warmem Wetter mit einem Pool lockt. Vom Dolomiten-Camping sind es ca. 800 m zum Hotel Laserz in Ulrichsbichl, um nach großer Fahrt am Abend gut zu speisen. Vom CP Falken ist es die gleiche Entfernung nach dort oder – in die andere Richtung - bis zu einer großen Auswahl an unterschiedlichen Restaurants und Fast Food direkt in Lienz.

Tipp: In Lienz sind die Spritpreise regelmäßig günstiger als anderswo auf dieser Strecke durch Austria – und die dortigen Tankstellen als „Füllstation“, bevor es nach Italien geht, unbedingt zu nutzen.

 

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Lienz, CP Amlacher Hof, Dolomiten-Camping mit Pool (Foto: Wolfgang Ramsteck)
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Blick ins Drautal (Richtung Südost), Lienz und Dolomiten (Foto: Wolfgang Ramsteck)

Gailberg-Anstieg

Wer Lienz im Sinne von „zu früh am Tage“ nicht als Übernachtungsort sieht und durchfahren will, dem empfehle ich, ostwärts bis Oberdrauburg und dann Richtung Kötschach-Mauthen über den Gailbergsattel das Drautal hinter sich zu lassen. Die sehr gut ausgebaute breite Kehrenstraße überwindet auf wenigen Kilometern immerhin knapp 300 m Höhe. Oben angekommen und ca. 25 km hinter Lienz bietet der Reisemobilstellplatz Gailberghöhe ausreichend Stellplätze. Im Rasthaus vis-a-vis gibt es Frühstück bereits ab 06:00 Uhr. Wer das Schlafen neben der (nachts wenig befahrenen) Straße suboptimal findet, der sollte weitere sieben Kilometer bis Kötschach-Mauthen dieseln, bis zum CP Alpencamp, einem komfortablen Rastplatz mit ebensolchem Sanitär und akzeptablem Restaurant mit steirischer Küche.

Plöckenpass  1.357 m, max. Steigung 13%

Von diversen Urlaubern im Internet als Horror oder als gefährlich tituliert, ist diese Passstraße zwischen Kärnten und Friaul für jeden(!) WoMo-Fahrer, der ohne Hektik und mit Umsicht sein Gefährt lenkt, ohne Schweißhände zu befahren. Die großen Trucks des Berufverkehrs sind nicht zugelassen, das reduziert etwaige Begegnungen mit eiligem Gegenverkehr an schmalen Streckenabschnitten. Bei sonstigen Begegnungen auf schmalen Streckenabschnitten gilt, was immer gilt: langsam, notfalls anhalten. (Wo ist das Problem?) - Der Aufstieg auf der österreichischen Seite zieht sich und ist im mittleren Abschnitt stellenweise nicht komfortabel, weil der Berg „arbeitet“ und der ständig ausgebesserte Straßenbelag es geboten erscheinen lässt, langsamer zu fahren, als es die Motorstärke bergauf zulässt. Je höher es geht, desto besser wird die Straße wieder. Kurz vor der Passhöhe hat die Straße in einem Tunnel ihre maximale Steigung. Ab der Passhöhe (Willkommen in bella Italia) geht es dann auf qualitativ einwandfreier Piste bergab. Einzig die Straßenbreite und zwei der insgesamt zwölf Spitzkehren auf italienischer Seite, die beide in einem kurzen Tunnel liegen, erfordern besondere Aufmerksamkeit. Sehr hilfreich ist hier der Blick des Beifahrers nach unten auf den etwaigen Gegenverkehr. Es macht nämlich Sinn, nicht in diese Kehrtunnel  einzufahren, wenn ein Bergfahrer gesichtet wird. Für Pkws ist eine Begegnung im Tunnel kein Problem, für Fahrzeuge mit hohen Aufbauten ist das nicht zu empfehlen, weil man auf der Straßenmitte durch die Tunnelkehren fahren sollte bzw. muss. Danach geht es eng an den Berghang geschmiegt und teilweise schmal aber ansonsten problemlos stetig abwärts, bis am Ende der Passstrecke die Straßenbreite wieder komfortabel wird. Auch danach geht es weiterhin kontinuierlich bergab, es rollt sich bequem bis Tolmezzo und weiter bis zur Einfahrt auf die Autostrada.

 

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Plöckenpass Südrampe (Italien), auch für größere WoMos befahrbar (Foto: Wolfgang Ramsteck)

Tolmezzo - Udine

Wer auch die italienischen Autobahn-Gebühren sparen will, hat die Möglichkeit, hinter Tolmezzo zur SS 13 zu fahren und dann der Beschilderung nach Udine zu folgen. Die Strecke ist ebenfalls komfortabel und wenig befahren. Auf ihr wird es erst geschäftig, wenn man sich Udine nähert.

Durch Slowenien ohne Maut  (Umfahrung Triest Richtung Rijeka via Kozina)

Erfahrene Kroatienfahrer kennen die Strecke, die vor dem Bau der slowenischen Autobahn und ihren Anschluss an die italienische über Jahrzehnte zur Anreise Richtung Rijeka als Standardroute galt. Es gibt sie noch und die Kenner befahren sie weiterhin. Leider sind auch viele Trucker nicht bereit, für die 35 km durch Slowenien Maut zu bezahlen. Die Berufskraftfahrer sind mehrheitlich zügig unterwegs und haben deshalb kaum Einfluss auf die eigenen Durchschnittsgeschwindigkeit.  Da die neue Autobahn nach der Grenze in Slowenien durch die Landschaft mäandert, quasi ein Umweg ist, bleibt die alte Transitstrecke auch die kürzere Verbindung. Einzig wichtig ist, sich nicht von den Autobahnschildern, die nach Slowenien weisen, irritieren zu lassen, sondern nach der letzten Zahlstelle auf der Autostrada lange weiter „stur geradeaus“ zu fahren und die „richtige“ Abfahrt von der Autostrada zu nehmen, denn auch die Vorwegweisung der neue Beschilderung „verheimlicht“ den Weg zur alten Transitroute. Wer die Abfahrt verpasst, „landet“ auf dem mautpflichtigen Abschnitt in Slowenien. Eine Möglichkeit zum Umkehren gibt es vorher nicht.

Die richtige Abfahrt zur alten Transitstrecke ist „Basovizza (Basovica) / Padriciano“. In einer langgezogenen Rechtskurve führt die Abfahrt kreuzungsfrei direkt in die alte Wegführung, auf der man nach ca. 2,5 km die bekannte / berüchtigte "H-Kreuzung" erreicht. Hier erfolgt der Wechsel auf die SS 14 („scharf rechts“ und gleich danach „scharf links“), Richtung Pesek (di Grozzana). „SLO Kozina“ und „HR Rijeka“ sind dort bereits wieder (oder noch) ausgeschildert. Nach dem Grenzübergang zwischen Italien und Slowenien zeigen vor dem Ort Kozina erneut Schilder zur Autobahn, die es zu ignorieren gilt. Auf der E 61 / L 7 ist der Weg dann eindeutig mit „HR Rijeka“ beschildert.

 

Wolfgang Ramsteck

 

Mit freundlicher Genehmigung des Autors