Die Reisemobil Union e.V. als Dachverband der Reisemobilfahrer in Deutschland will in dieser Ausarbeitung die Unterschiede zwischen Wohnwagen und Reisemobil, Campingplatz und Stellplatz sowie der notwendigen und angebotenen Größe und Infrastruktur kritisch beleuchten.
Hierfür ist es notwendig, zunächst die grundsätzlichen Unterschiede zwischen diesen Freizeitfahrzeugen aufzuzeigen.
1. Entwicklung des Reisemobil-Tourismus
- 1.1 Reisemobile hatten zwar ihren Ursprung im Caravan (Wohnwagen), haben sich aber im Hinblick auf die besonderen Anforderungen anders entwickelt. Sie verfügen über fest eingebaute Frischwassertanks, Abwasserbehälter und Toiletten (mit Kassette oder Festtank) sowie einer Aufbau-Batterie, und sind damit für eine gewisse Zeit autark. Diese Unabhängigkeit eröffnete den Reisemobilfahrern die Möglichkeit, vorübergehend auch ohne (externe) Sanitäranlagen und elektrische Stromversorgung zu leben. Sie war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Touristen sich nunmehr auch touristischen Zielen nähern konnten, um dort Städte, Schlösser, Burgen usw. besichtigen zu können. Darüber hinaus konnten sie auch die Angebote von Geschäften (Einkauf), Restaurants, Cafés oder Weinstuben wahrnehmen – sie hatten ja alles Notwendige an Bord.
- 1.2 Diese Lebensfreunde aber wäre den meisten Reisemobilfahrern verwehrt, müssten sie auf einem meist stadtfernen Campingplatz stehen. Denn nur sehr wenige Reisemobile haben einen Pkw (z.B. Smart) an Bord, mit dem die Gäste in die Stadt fahren könnten. Zudem sind etliche Campingplätze in der kalten Jahrszeit geschlossen, einer Zeit, die auch für reisemobile Gäste noch interessant ist. Denken wir nur an den Besuch von Weihnachtsmärkten!
- 1.3 Dieser Entwicklung haben reisemobilfreundliche Kommunen und private Betreiber seit rund 20 Jahren Rechnung getragen: Sie richteten spezielle Stellplätze möglichst erlebnisnah ein, die den Gästen einen fußläufige Besuch der Stadt ermöglichte. Darüber hinaus wurde ein enges Netz von – auch im Winter betriebsbereiten – Ver- und Entsorgungsanlagen geschaffen. So konnten die Gäste ihre Tanks leeren bzw. füllen und ihre Autarkie wieder herstellen.
2. Wohnwagen oder Reisemobil
- 2.1 Wohnwagen werden vom PKW zu ihrem Zielort gezogen, um dort für die Dauer des Urlaubs fest zu stehen. Der Wohnwagen (oder Caravan) hat für diese Zeit die Funktion eines kleinen Ferienhauses, seine räumlich begrenzten Möglichkeiten werden ergänzt durch die vorhandene Infrastruktur des Campingplatzes, mit Campingplatzverwaltung, Sanitäranlagen und elektrischer Stromversorgung.
Für Besichtigungs- und Einkaufsfahrten in die nähere oder weitere Umgebung steht der PKW zur Verfügung, der Wohnwagen muss also nicht bewegt werden. Im Regelfall bleibt der Wohnwagen für die Dauer des Urlaubs, also mehrere Wochen, auf seiner Parzelle des Campingplatzes fest stehen.
- 2.2 Reisemobile vereinen dagegen die Funktionen von Zugfahrzeug und Caravan. Das Fahren mit den Mobilen ist aufgrund ihrer – deutlich über dem PKW liegenden – Abmessungen naturgemäß schwieriger als mit dem PKW, aber wiederum einfacher als mit einem aus PKW und Wohnwagen bestehenden Gespann.
Das Reisemobil (auch Wohnmobil oder Motorcaravan) wird häufig für Rundreisen oder Städtetouren benutzt. Das bedeutet auch, dass es nur selten länger als drei Tage an einem Ort steht.
Weil der Urlauber mit seinem Reisemobil für Besichtigungen oder auch zum Einkaufen nur begrenzt autark ist – ihm fehlt dafür der wendige PKW – muss er vermehrt „erlebnisnah“ stehen, also stadtnahe Plätze aufsuchen.
Der Vergleich macht deutlich, dass Wohnwagen vorrangig ein Ziel ansteuern, dort während des Urlaubs stehen, und die Reisenden von diesem Standquartier aus ihre Tagesausflüge starten.
Dagegen wird das Reisemobil idealer weise für Rundreisen und Städtetouren mit häufig wechselnden Standorten sowie auch Kurzreisen benutzt.
3. Campingplatz oder Reisemobil-Stellplatz
- 3.1 Campingplätze verfügen im Regelfall über eine umfangreiche Infrastruktur mit Campingplatzverwaltung, Sanitäranlagen (Waschräume, WC), elektrischer Stromversorgung und Spielplätzen, die den Bedürfnissen der mit dem Wohnwagen reisenden Urlauber gerecht werden.
Gerade für Familien ist der Campingplatz ein willkommenes Angebot, weil die Kinder sich dort ausreichend frei in der Natur bewegen und spielen können.
- 3.2 Reisemobilfahrer reisen überwiegend zu zweit, sie befinden sich häufig im 3. Lebensabschnitt. Sie erkunden vielfach Städte, oder genießen auch Kurbäder. Für diese Bedürfnisse sind die Reisemobil-Stellplätze mit einer einfachen Infrastruktur konzipiert und eingerichtet.
Die reisemobilen Touristen steuern meist dann Campingplätze an, wenn nur Entspannung oder Erholung statt Besichtigung auf dem Programm steht. Der Campingplatz ist als Standquartier und Ausgangsort für Tagesfahrten schon deshalb wenig geeignet, weil er selten erlebnisnah platziert ist.
Die Parzellen sind zwar relativ breit, und bieten guten Platzkomfort, sind aber in vielen Fällen hinsichtlich ihrer Tiefe nicht auf die Abmessungen der größeren Freizeitmobile ausgelegt. Auch sind die Rangierflächen zu den einzelnen Parzellen für größere Reisemobile häufig knapp zu bemessen.
Reisemobilfahrer sind auf erlebnisnahe, meistens stadtnahe Flächen angewiesen, die ein Campingplatz nur selten bieten kann. Ein Campingplatz ist ein gelegentlich willkommenes Ergänzungsangebot für den reisemobilen Gast, kann aber nicht den Reisemobil-Stellplatz ersetzen.
4. Infrastruktur – Angebote für Reisemobilfahrer
- 4.1 Auf einem Campingplatz wird eine z.T. recht umfangreiche Infrastruktur angeboten, wie
• Platzverwaltung (mit Personal)
• Sanitärgebäude mit Waschräumen, Duschen, WC
• elektrische Stromversorgung
• Ver- und Entsorgung (Frischwasser, Grauwasser, Schwarzwasser)
• Spielplatz
• Grillplatz
• Animation
In Anbetracht der deutlich geringeren Bedürfnisse und abweichenden Gepflogenheiten stellt dieses umfangreiche Angebot solcher Campingplätze für viele Reisemobilfahrer eine Überversorgung dar.
Allerdings haben viele Campingplätze das Handicap, nur in der wärmeren Jahreszeit geöffnet zu sein; darüber hinaus gilt bei fast allen Plätzen mittags und nachts das Ein- und Ausfahrverbot.
- 4.2 Ein Reisemobilfahrer benötigt
• erlebnisnahe Lage des Stellplatzes
• ebene Stellflächen, möglichst in der Größe 10x5 Meter
• ausreichend groß bemessene Rangierbereiche
• keine Schranken (für ein ungehindertes An- und Abreisen)
• zeitlich unbegrenzte Platznutzbarkeit (365 Tage im Jahr)
• Ver- und Entsorgungsanlage (Frischwasser, Grauwasser, Schwarzwasser), mit ausreichend großen Rangierflächen
• ggf. elektrische Stromversorgung
Weitergehende Angebote sind in Einzelfällen auch an Reisemobil-Stellplätzen zu finden, sie werden zwar auch genutzt (und dienen der Bequemlichkeit), aber nicht wirklich gebraucht.
- 4.3 Die Einrichtung und Vorhaltung einer Infrastruktur ist mit Kosten verbunden, die an die Gäste direkt oder indirekt weitergegeben werden (müssen).
Bei Campingplätzen liegen die Preise für Reisemobil plus 2 Personen (übliche Reisebesatzung) in Deutschland, je nach Saison, Größe und Ausstattung, zwischen 10 und 35 € je Nacht. Auf den Reisemobil-Stellplätzen betragen die Preise/Gebühren (in der Regel unabhängig von der Personenzahl) pro Fahrzeug meistens zwischen 0 und 10 € je Nacht.
Es ist daher nahe liegend und nachvollziehbar, dass der reisemobile Tourist nur für die Infrastruktur bezahlen möchte, die er auch benötigt und in Anspruch nimmt.
Im Ergebnis bedeutet das, dass viele Campingplätze zwar eine sehr umfangreiche Infrastruktur aufweisen, aber damit nicht den typischen Anforderungen der Reisemobilfahrer genügen. Der reisemobile Tourist benötigt einen einfachen, ebenen und preisgünstigen Stellplatz in erlebnisnaher Lage, mit einfacher Ausstattung, wie Informationstafel, Ver- und Entsorgungsanlage und ggf. elektrische Stromversorgung.
5. Zusammenfassung
Die vom Caravanfahrer erheblich abweichenden Reisegewohnheiten der Reisemobilfahrer wie Aufenthaltsdauer, Reiseziel, Tagesablauf und wenig ausgeprägtem Interesse am Campingleben lassen erkennen, dass
- a) reisemobile Touristen vorrangig Reisemobil-Stellplätze benötigen,
- b) Campingplätze in manchen Fällen als zusätzliches Angebot wahrgenommen werden, aber keine Reisemobil-Stellplätze ersetzen können,
- c) Stellplätze möglichst folgendem Anforderungsprofil (gestützt auch auf eine schriftliche Befragung von 1.750 Reisemobilfahrern im September 2003) entsprechen sollten:
• separate Stellflächen (Größe 10x5 Meter),
• ausreichend große Rangierräume,
• jederzeitiger Zugang,
• Ver- und Entsorgungsanlage (für Frisch-/Grau-/Schwarzwasser),
• ggf. eine elektrische Stromversorgung,
• vertretbare Kostenbelastung für den Gast, und
• erlebnisnah eingerichtet.
Die Frage heißt demnach aus Sicht der Reisemobilfahrer nicht „Reisemobil-Stellplatz oder Campingplatz“, sondern „Reisemobil-Stellplatz und Campingplatz“.