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Endlich wieder unterwegs

Zwischen Steinhuder Meer, Weser und neuen Hubstützen…

Manchmal beginnt die schönste Reise nicht mit dem Drehen des Zündschlüssels, sondern mit einem Arzt, der sagt: „Alles sieht gut aus.“

Nach einer erfolgreichen Operation Mitte Mai stand fest: Die Genesung verläuft hervorragend, die Therapie wird bestens vertragen und derzeit sind keine Krebszellen nachweisbar. Eine Narbe bleibt zwar als Erinnerung zurück, aber die nimmt man für diese Nachricht gerne in Kauf. Also gab es nur eine logische Konsequenz: Das Wohnmobil musste endlich wieder auf Tour.

Der perfekte Start? Natürlich nicht!

Unser erstes Ziel war das Steinhuder Meer. Die Anreise verlief allerdings nach dem altbewährten Morphischen Gesetz: kräftiger Regen, voller Autobahnverkehr – und irgendwo unterwegs die Erkenntnis, dass die Tabletten noch zu Hause lagen.

Immerhin zeigte sich der Stellplatz von seiner besten Seite: gepflegt, großzügig und genau so, wie Wohnmobilfahrer es mögen.

Lediglich unsere Satellitenanlage hatte offenbar beschlossen, zunächst ein Eigenleben zu führen. Minutenlang drehte sie sich in alle Himmelsrichtungen, vermutlich auf der Suche nach Außerirdischen, bevor sie schließlich doch noch den gewünschten Satelliten fand. Danach herrschte Frieden – am Himmel ebenso wie im Wohnmobil.

Fahrrad statt Wanderschuhe

Eigentlich liegen vom Stellplatz bis zur Promenade nur wenige hundert Meter. Für gesunde Menschen ein Spaziergang – für den Chronisten mit einer hartnäckigen Schleimbeutelentzündung im Knie dagegen eine kleine Expedition.

Also wurden kurzerhand die Fahrräder zum wichtigsten Verkehrsmittel erklärt. Schließlich muss man im Urlaub keine Rekorde aufstellen – außer vielleicht beim entspannten Genießen.

Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten: ruhige Promenaden, ein herrlicher Abend am Wasser, ausgezeichnetes Essen beim Griechen und eine Stimmung, die man kaum besser inszenieren könnte.

Zufälle gibt es…

Zwischendurch wurden in einer örtlichen Praxis die Fäden der Operation entfernt. Endlich war der Chronist offiziell vom Nähgarn befreit.

Nur wenige Minuten später kreuzte – völlig überraschend natürlich – eine Eisdiele unseren Weg.
Gegen solche Schicksalsschläge ist man machtlos.

Feiertage können Stellplätze füllen

Eigentlich wollten wir weiterreisen.

Eigentlich.

Doch plötzlich füllte sich der Stellplatz mit Wohnmobilen in einer Geschwindigkeit, als gäbe es etwas umsonst. Erst nach kurzem Nachdenken fiel der Groschen: Fronleichnam in Nordrhein-Westfalen.
Während andere also Brückentag machten, beschlossen wir, einfach noch etwas länger in Steinhude zu bleiben. Man muss schließlich nicht immer gegen den Strom fahren – manchmal reicht es völlig, einfach sitzen zu bleiben.

Bodenwerder und der Baron

Weiter ging es schließlich an die Weser nach Bodenwerder.

Google Maps lotste uns über idyllische Nebenstraßen, weil auf den Hauptstrecken gerade eine Radsportveranstaltung stattfand. Manchmal ist ein Umweg eben doch die schönere Strecke.
Bodenwerder begrüßte uns mit einem herrlichen Stellplatz direkt am Fluss und einer charmanten Altstadt, die leider auch die Schattenseiten vieler Innenstädte zeigt: zahlreiche leerstehende Geschäfte. Schade, denn das historische Stadtbild hätte deutlich mehr Leben verdient.

Natürlich durfte auch ein Besuch beim berühmtesten Einwohner der Stadt nicht fehlen: Baron Münchhausen scheint bis heute dafür zu sorgen, dass Geschichten hier ein kleines bisschen größer erzählt werden als anderswo.

Wenn die Tür streikt

Kaum war etwas Ruhe eingekehrt, meldete sich das Wohnmobil selbst zu Wort.

Die Aufbautür entwickelte ihren ganz eigenen Charakter. Mal schloss sie problemlos, mal überhaupt nicht. Die Aussicht, irgendwann entweder nicht mehr hinein- oder nicht mehr herauszukommen, erschien wenig verlockend.

Werkstatttermine? August oder September.

Also lautete die Devise einmal mehr: selber machen.

Nach kurzer Fehlersuche entlarvte der Chronist ein winziges gebrochenes Bauteil als Übeltäter. Dank eines schnell gelieferten Ersatzteils war das Schloss schon am nächsten Tag wieder einsatzbereit.
Manchmal besteht modernes Reisemobilleben eben zu gleichen Teilen aus Urlaub und Maschinenbau.

Korbach überrascht

Nächste Station: Korbach.

Der dortige Wohnmobilstellplatz verdient tatsächlich die Bezeichnung „Wohnmobil-Hafen“. Großzügig geplant, hervorragend ausgestattet und nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt.

Am Wochenende herrschte dort buntes Treiben mit Flohmarkt, Einkaufspublikum und jeder Menge Leben. Tags darauf zeigte sich dieselbe Stadt von ihrer ruhigen Seite: Fachwerkhäuser, liebevoll restaurierte Gebäude und eine Altstadt, die zum gemütlichen Schlendern einlädt.

Den Hochzeitstag feierten wir traditionell in einem schönen Restaurant – auch solche kleinen Rituale gehören schließlich zum Reisen dazu.

Das eigentliche Ziel

Doch der wahre Grund unserer Tour wartete noch in Diez an der Lahn.

Unsere mechanischen Hubstützen sollten gegen automatische ausgetauscht werden.

Das bedeutet künftig: kein Kurbeln mehr, keine Diskussionen über die Wasserwaage und hoffentlich auch kein „Noch zehn Zentimeter zurück! Nein, die andere Richtung!“.

Soweit zumindest die Theorie.

Pünktlich. Leider einen Tag zu früh.

Am Morgen standen wir geschniegelt und gestriegelt fünf Minuten vor acht Uhr vor der Werkstatt.
Die Mitarbeiter schauten freundlich.

„Ihr Termin ist morgen.“

Es gibt Momente, in denen man sich fragt, ob der Ruhestand vielleicht doch einen größeren Kalender erfordert.

Immerhin bescherte uns dieser Irrtum den vermutlich frühesten ALDI-Einkauf unseres Lebens.
Auch eine Erfahrung.

Neue Technik, entspannter Rücken

Am zweiten Versuch klappte dann alles.

Während unser Wohnmobil acht Stunden lang neue Hubstützen erhielt, erkundeten wir die hübsche Altstadt von Diez, testeten mehrere Cafés, überzeugten uns von der Qualität örtlicher Eisdielen und warteten geduldig auf den erlösenden Anruf.

Am Nachmittag war es soweit.

Ein Knopfdruck.

Ein paar ungewohnte Geräusche.

Kurzes gespanntes Schweigen.

Dann stand das Wohnmobil perfekt waagerecht.

Ganz ohne Auffahrkeile.

Ganz ohne Diskussionen.

Ganz ohne akrobatische Einweisungsversuche.

Unser Fazit fiel entsprechend eindeutig aus: Der Komfortgewinn ist enorm – und unser Rücken wird uns diese Investition vermutlich noch viele Jahre danken.

Fazit

Diese Reise hatte von allem etwas: Gesundheit, Regen, Sonnenschein, kleine Pannen, große Erleichterung, wunderschöne Landschaften und jede Menge Begegnungen.

Vor allem aber hat sie gezeigt, dass die schönsten Touren nicht dadurch entstehen, dass alles perfekt läuft.
Sondern dadurch, dass man über die kleinen Missgeschicke lachen kann – und am Ende mit einem zufriedenen Lächeln nach Hause fährt.

 

Text: Kalle Meyer

Fotos: Anne Büürma und Kalle Meyer