Noch ist die Absatzflaute nicht ganz überwunden. Doch vom Ende des Campingbooms kann keine Rede sein, wie die Stimmung auf dem 64. Caravan Salon Düsseldorf zeigte.
Die große Freiheit begann mit einem Ticket für Bus und Bahn, so zumindest empfahlen es die Macher der Düsseldorfer Messe allen Gästen, die nicht den Groß-Stellplatz P1 ansteuerten. Nicht nur während der Ed-Sheeran-Konzerte am zweiten Messe-Wochenende war die Furcht vor dem Verkehrschaos berechtigt: Mit 269.000 Besuchern aus 80 Ländern verzeichnet der Caravan Salon das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Salons. „Bei den Verkäufen bewegen wir uns ungefähr auf dem Niveau von 2019. Und das war ein verdammt gutes Jahr“, sagt der Marketingleiter eines Wohnmobil-Herstellers, der das Wort Krise nach eigenem Bekunden „nicht mehr hören kann“.
Die Zulassungszahlen des Vorjahres haben die Reisemobil-Hersteller schon im Juli übertroffen. Trotzdem wirkte sich die große Menge der Bestandsfahrzeuge, die noch immer auf den Höfen der Händler stehen, auf die Zahl der echten Salon-Neuheiten aus. Die meisten von ihnen entpuppten sich bei näherem Hinsehen als günstige Sonder- oder Editionsmodelle. Selbst der taufrische VW California muss als Sondermodell namens Energy mit serienmäßiger Markise, Standheizung, Dreizonen-Klimaanlage und anderen Goodies einen Tick erschwinglicher werden. Und sogar beim erfolgsverwöhnten Kastenwagen-Marktführer Pössl sind Ersparnisse von bis zu 15.000 Euro drin, so stand es zumindest auf den großen Stickern in den Windschutzscheiben der Ausstellungsautos.
Immerhin, die verwirrende Modellvielfalt ist dem Klassenprimus erhalten geblieben. Der bayrische Branchenriese Knaus Tabbert hat sich dagegen radikal von weiten Teilen seiner einstmals fein verästelten Modellpalette getrennt. Und bei Bürstner im badischen Kehl gibt es jetzt keine 15 Modellreihen mehr, sondern nur noch drei: Darunter ist der puristische Papillon, ein Citroën Jumper mit 120 PS, der zum Kampfpreis von 39.999 Euro mit Dieselheizung, Querbett, Induktions-Kochplatte und Dusche kommt. Alles Andere kann als Extra angekreuzt werden – oder auch nicht.
Gleichzeitig ist die Erwin Hymer Group aber mutig genug, das Portfolio ihrer Einsteiger-Marken Carado, Etrusco und Sunlight um das neue Label Corigon zu ergänzen. Verkaufen dürfen es allerdings nur Händler, die keine andere Hymer-Marke im Programm haben. Gebaut werden die Corigon-Camper übrigens im selben Werk wie die Wohnmobile der Marke Ahorn Camp, die mit Erscheinen des neuen Renault Master gerade ihre komplette Modellpalette erneuert – so viel Aufbruch ist auch drin, wenn sich der Markt nur noch seitwärts bewegt.
So richtig schleppend läuft’s, wie Branchenkenner sagen, nur im Segment der kleinen Camper ohne Nasszelle: Sie sind zwar alltagstauglicher als Vollwert-Wohnmobile, aber auch nicht viel günstiger. Eine Klasse höher spielt Geld keine ganz so große Rolle mehr: Ein angesagter Typ bleibt deshalb der Mercedes Sprinter mit Allradantrieb, der den Messebesuchern in allen Preislagen zwischen 100.000 und 200.000 Euro begegnete. Seltener werden Wohnmobile auf Basis des Ford Transit, während der unverwüstliche Fiat Ducato wieder an Boden gewinnt. Dafür kommt mit dem Renault Master neue Bewegung in die Branche. Und auch der neue VW Transporter war in Düsseldorf schon vereinzelt zu sehen. Die Chinesen dagegen machten sich im Vergleich zum Vorjahr rar. Eine Ausnahme war der Van Gogh RV, dessen Alkoven eine kolossale Liegefläche von 2,20 Metern Länge und 1,92 Metern Breite enthält. Auch sonst gehen die chinesischen Entwickler ganz eigene Wege, wie die ausladende Vis-a-vis-Sitzgruppe in Knallorange, das aufwendige Soundsystem und die serienmäßige Waschmaschine zeigen. Vom Preis sprachen sie dagegen nicht – und damit auch nicht über Preisnachlässe.
Christian Steiger