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Im Januar ans Nordkap

Ein winterlicher Reisebericht

Nordlichter am Nordcap

Sind wir verrückt? Mit einem ganz normalen Wohnmobil – unserem geliebten „Knutschi“ – das weder winterfest noch winterhart ist, im Januar und Februar ans Nordkap zu fahren? Wahrscheinlich ja. Oder sagen wir lieber: nicht verrückt, sondern abenteuerlustig. Und gleich vorweg: Es lief mit deutlich weniger Problemen, als wir befürchtet hatten.

Ganz unerfahren sind wir ja nicht. Wintercamping kennen wir, und wir waren schon mal im März/April am Nordkap. Das ist auch sehr zu empfehlen: die Tage sind länger, die Kälte ist erträglich, das Wintergefühl hoch. Aber diesmal, im Januar war nochmal eine ganz andere Liga – eher die „Profiklasse für Frostbeulen“.

Zwischenstopp Stockholm

Am 8. Januar rollten wir also in der Schweiz los: Quer durch Deutschland, kurzer Abstecher nach Ferropolis („Knutschi“ staunte über die riesigen Bagger mindestens so sehr wie wir), weiter nach Travemünde, wo es sich stolz auf die Fähre nach Trelleborg fahren lässt. Von dort ging es dann über Kalmar nach Stockholm. Und endlich … Winter mit Schnee, Kälte, weißen Straßen.

In Stockholm verabschiedet sich die Sonne Mitte Januar pünktlich um 15:16 Uhr. Wir schlenderten durch die dunkle Hauptstadt, gönnten uns ein Restaurant und merkten, wie schön eine warme Suppe schmecken kann, wenn draußen minus zehn Grad Celsius sind.

Erste finnische Erlebnisse mit Eislöchern

Am nächsten Tag ging es weiter zu den Åland-Inseln. Für uns Neuland. Neu war auch, dass die Finnen ihre Badestellen im Winter offenhalten. Da liegt ein Eisloch im See, mit Leiter hinein und Schild daneben: „Eine Minute baden.“ Für uns waren es exakt zwei Sekunden. Knöchel rein, Schrei, Sprung zurück – Aufgabe erfüllt. Die Einheimischen haben gelacht, wir auch.

Von dort aus ging es dann mit der Fähre nach Finnland – und was soll ich sagen: Finnland im Winter ist eine ganz andere Welt! Im Sommer ist es eher – na ja, sagen wir – ruhig. Im Winter dagegen findet man dort ein frostiges Wunderland: vereiste Flüsse, verschneite Wälder, keine Mücken (allein das ist schon ein Grund, im Winter zu fahren), dafür Saunen an fast jedem Stellplatz und Eislöcher an jedem See. Bei jedem Loch wagten wir uns ein Stück weiter hinein – irgendwann waren es schon die Oberschenkel, und wir fühlten uns fast wie richtige Finnen.

Nordlichter, Rentiere und winterliche Ruhe

Wir fischten im Eisloch, fuhren mit einem Eisbrecher, besuchten den Nikolaus, fuhren mit „Knutschi“ über eine Eisstraße – mit einer Mischung aus Stolz und Angstschweiß –, überquerten wir den Polarkreis, schürften nach Edelsteinen und durchquerten das kälteste Dorf Finnlands. Tagsüber weiße Straßen ohne viel Verkehr, nachts Nordlichter, die den Himmel verzaubern. Und immer wieder dieses Gefühl: Wir sind fast allein unterwegs, die Welt gehört uns.

Ein Höhepunkt ist der Campingplatz Giellajohka in Kielajoki, kurz vor der norwegischen Grenze mit Rentierfarm, der schönsten Holzsaunas nur für uns, einem romantisch beleuchteten Eisloch direkt davor. Tagsüber hatten wir strahlend blauen Himmel, nachts Nordlichtkino vom Feinsten. Für uns ist es der Inbegriff einer Winterreise. Wir blieben dort ein wenig länger, genossen die Ruhe, das Knacken des Schnees unter den Schuhen, die klare Luft – und merkten, wie sehr man sich im Winter draußen wie drinnen erholen kann.

Glücklich am Nordkap

Dann, am 31. Januar erreichten wir das Nordkap – das perfekte Geburtstagsgeschenk (Rolf hat Geburtstag). Der Parkplatz war fast leer, die Kugel gehörte uns allein. Ein unvergesslicher Moment! „Knutschi“ posierte stolz wie ein Held am Ende Europas, und wir konnten kaum glauben, dass wir es wirklich geschafft hatten.

Wintertauglich mit einfachen Mitteln

Technisch war die Fahrt kein Hexenwerk: neue Winterreifen ohne Spikes, Schneeketten bei Bedarf, ein Thermovorhang, ein paar zurecht geschnittene Yogamatten für die Fenster und ein Eimer unter dem Grauwasserablauf. Der Eimer ist Gold wert. So friert der Tank nicht ein und das Wasser kann überall in öffentlichen WCs entsorgt werden. Der Gasverbrauch war geringer als vorher gedacht, Übernachtungsplätze problemlos – manchmal war nur etwas Schneeschaufeln nötig. Strom? Den findet man fast vor jedem Einkaufszentrum. Nur einmal montierten wir die Schneeketten zu früh ab – da zeigte uns der Winter kurz, wer hier der Chef ist.

Unser Tipp: Probiert eine Skandinavienreise im Winter! Keine Touristen auf den Lofoten, traumhafte Ruhe und auch ohne Doppelboden friert man nicht im Wohnmobil ein. Plant die Route aber flexibel. Das Wetter spielt die Hauptrolle, und es ist gut, wenn man auch mal spontan Stürmen ausweichen kann.

Für uns steht fest: Das war nicht unsere letzte Winterreise. Ganz im Gegenteil – wir haben Blut geleckt oder besser gesagt: Frost geschnuppert.

Anita und Rolf Järmann

 

Alle Übernachtungsplätze, Sehenswürdigkeiten, Tücken und Träume der Nordkap-Reise und weitere Touren findet ihr auf dem Blog von Anita und Rolf Järmann: https://www.womoblog.ch/

Fotos: Reisemobil Union