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Vier Mitglieder des RU- Präsidiums nehmen teil am 4. Reisemobiltreffen „Bayerischer Böhmerwald“

ein Reisebericht von Siegfried Orth

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Die RU-Delegation (Foto: Siegfried Orth)

Am 8. Juli 2016 liegt eine E-Mail der „Albert Knaus Stiftung“ in meinem Posteingang. Von dieser Stiftung hatte ich noch nie gehört, aber Albert Knaus…  das wird doch nicht etwa der Albert Knaus des bekannten Wohnwagen- und Reisemobilherstellers Knaus sein? Doch, der ist es. Ich weiß, dass er RU- Mitglied ist, denn in der MSa und auf der RU-Internetseite war mehrfach über seine Chinareise zu lesen. Diesmal geht es aber um das 4. Reisemobiltreffen „Bayerischer Böhmerwald“, zu dem er mich einlädt.

Das Programm dieses Treffens liest sich sehr verlockend, aber der Termin der Veranstaltung 16. bis 23. September 2017? Das wären ja noch mehr als 14 Monate! Nein, es ist kein Druckfehler, sondern es ist ein erster Hinweis darauf, wie langfristig und bis ins letzte Detail gründlich Albert und Kerstin Knaus diese Treffen vorbereiten. Das macht mich neugierig und so melde ich mich an - schon im Oktober 2016 sind alle verfügbaren Plätze vergeben. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass sich aus dem Präsidium der RU auch Winfried und Elisabeth Krag sowie Volker Grasberger angemeldet haben; die Ehefrauen Luise Grasberger und Irmgard Orth komplettieren die RU- Delegation.

Die folgenden 11 Monate vergehen wie im Flug (unter anderem, weil wir einige davon in Russland bis zum Baikalsee und zurück verbringen). Albert Knaus bringt sich und das Böhmerwaldtreffen auch regelmäßig in Erinnerung: 19 weitere E-Mails halten uns auf dem Laufenden zu kleinen Programm- Änderungen, Details zur Anreise etc. So sind wir bestens informiert und vorbereitet, als der Tag der Anreise endlich gekommen ist. Der Knaus Campingpark Lackenhäuser, in der nordöstlichsten Ecke Bayerns im Dreiländereck Deutschland /Tschechien/Österreich gelegen, ist unser Ziel. Wir sollen schon etwas früher da sein, denn Teil der ausgefeilten Organisation ist eine umfassende Einweisung in den Ablauf der kommenden Tage in kleinen Gruppen, damit auch jeder alles mitbekommt und alle Fragen beantwortet werden können.

Der Campingpark Lackenhäuser liegt in 850 m Höhe direkt am Südhang des Dreisesselbergs – die Abstellplätze für unsere Reisemobile sind in Terrassen angeordnet, aber trotzdem sind reichlich Nivellierkeile und/oder Hubstützen und Unterlegbretter gefragt, wenn man nachts nicht aus dem Bett fallen will. Natürlich ist alles geboten, was man auf einem Sterne- Campingplatz erwarten kann, bis hin zum Hallenschwimmbad und Sauna; den platzeigenen Skilift können wir allerdings (glücklicherweise) nicht nutzen.

Der Eröffnungsabend – im Parkrestaurant des Campingplatzes -  startet mit einem bayrisch-böhmischen Gaumenkitzel, untermalt mit „echter“ Stimmungsmusik für jeden Geschmack. Die Teilnehmer mit der weitesten Anreise werden ebenso geehrt (und mit Sekt beschenkt), wie die Geburtstagskinder mit rundem Jubiläum. Die feste Sitzordnung nach Vereins-, Club- oder Gruppenzugehörigkeit löst sich schnell auf, denn man will ja andere kennen lernen – nicht die, die man schon lange immer wieder trifft.

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Camper-Messe (Foto: Siegfried Orth)
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Prozession zur Fahrzeugsegnung (Foto: Siegfried Orth)
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Hochwürden gefällt das Platzkonzert (Foto: Siegfried Orth)

Für den folgenden Sonntagmorgen ist Kirchgang angesagt, natürlich in der platzeigenen Kapelle. Ortspfarrer Wolfgang Hann von Weyhern zelebriert eine bemerkenswerte Campingmesse, die auch Angehörige anderer Konfessionen und komplett Ungläubige anspricht und mitnimmt. Das Männerensemble der Singgemeinschaft Lackenhäuser untermalt den Gottesdienst mit durchaus auch weltlichen Liedern, und am Ende der Messe erwartet uns die Blaskapelle Neureichenau, die mit kräftiger Marschmusik eine Prozession hinunter zu unseren Fahrzeugen anführt. Sozusagen „im Vorbeigehen“ findet die Fahrzeugsegnung durch Pfarrer von Weyhern statt, und weiter geht es zum Festplatz des Campingparks, wo es ein zünftiges Standkonzert mit – wie könnte es in Bayern anders sein – frischen Weißwürsten und „Strammen Mäxen“ gibt.

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Aufbruch zur Bergwanderung (Foto: Siegfried Orth)
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Es ist geschafft – der Dreisessel ist erklommen (Foto: Siegfried Orth)
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Stärkung aus dem Reindl (Foto: Siegfried Orth)

Zu sehr darf man dem alkoholischen Angebot allerdings nicht erliegen, denn für den Nachmittag steht eine ordentliche Bergwanderung auf den Hausberg „Dreisessel“ auf dem Programm. Bis zum Gipfelhaus in 1.312 Metern Höhe sind ansehnliche 500 Höhenmeter zu überwinden – zumindest für Flachlandbewohner kein Zuckerschlecken, und dann ist auch noch reichlich Regen angesagt... Alternativ steht ein bequemer Bus zur Verfügung, der die nicht ganz so Bergbesessenen bis kurz vor die Gipfelgaststätte transportiert.

Tatsächlich merken die Ersten schnell, dass sie sich mit dem Aufstieg wohl übernommen haben, aber die Bergwacht ist ja dabei und bringt jeden sicher zurück bzw. zu einem Fahrweg, wo er von einem Bergwachtauto aufgenommen und weitertransportiert werden kann. Der angekündigte Regen lässt dann auch nicht auf sich warten, und so kommt eine gründlich durchnässte Gruppe auf dem Gipfel an – wobei das Mischungsverhältnis von Menschenschweiß und Regenwasser individuell durchaus unterschiedlich ausfällt. Aber auch darauf ist die Organisation vorbereitet: Vor dem Abmarsch konnte jeder frische Wäsche einpacken und zum Sammeltransport nach oben abgeben; so sitzen bald alle trockenen Fußes und Hemdes beim Hüttenwirt und warten zusammen mit den Busfahrern auf das böhmische „Reindl“. Eigentlich ist das nur die lokale Bezeichnung für eine eiserne Bratpfanne, aber im weiteren Sinn gehört auch der Inhalt dazu. Und der hat es in diesem Fall in sich: Alles, was man aus Schweinefleisch nur machen kann, dazu Sauerkraut und Knödel - ein echter Geheimtipp! Obwohl sich einige der hungrigen Rentner wahre Berge auf ihre Teller türmen, bleibt mindestens ein Drittel der servierten Köstlichkeiten unverspeist zurück; Albert Knaus versichert uns, dass er die Wirtsleute nach der letzten Veranstaltung zur Zurückhaltung bei den Portionsgrößen gebeten hatte, aber offenbar müssen sich hier die Tische biegen. Da sich das Wetter nicht wirklich gebessert hat, ist keiner scharf darauf, den Rückweg zu Fuß anzutreten; müde, gesättigt und in zufriedener Stimmung sitzen schließlich alle im Bus zurück zum Campingpark und freuen sich auf das Bett im Reisemobil.

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Pilsen – Blick vom Turm der Kathedrale (Foto: Siegfried Orth)
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Planwagenfahrt (Foto: Siegfried Orth)
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Schloss Frauenberg (Foto: Siegfried Orth)

Der Dienstagvormittag war willkommener Ausschlaf- und Trödeltag. Für unverbesserliche Frühaufsteher gab es eine Besichtigungstour durch den Campingpark. Um 13 Uhr Busabfahrt zum nahegelegenen KNAUS- Wohnwagen- und Reisemobilwerk, das seit 2009 einer niederländischen Investorengruppe gehört (unser Gastgeber Albert Knaus war schon 2004 aus der Firma ausgestiegen, sein Bruder Helmut führt weiter die Knaus KG, zu der die 25 Knaus Campingparks gehören). Wir sehen dort zunächst eine riesige Baustelle, denn es wird eine zusätzliche Produktionshalle gebaut, um der seit Jahren steigenden Nachfrage gerecht werden zu können. Nach kurzer Begrüßung und Einweisung besichtigen wir die Produktion, und ich bin erstaunt, wie viel Holz und Styropor hier noch verbaut wird. Natürlich nicht mehr in reiner Handarbeit, sondern riesige Förderbänder, Pressen und Roboter stellen vor allem die großen Außenwände, Boden und Dachplatten her. Anders als bei anderen Herstellern kann man hier alles aus nächster Nähe ansehen und so einen guten Eindruck davon bekommen, wie viel Arbeit und Technik in einem Reisemobil steckt.

Weiter geht es per Bus zum Michlbauern in Wilhelmsreuth. Der kutschiert uns zunächst mit seinen von Kaltblütern gezogenen Planwagen durch die Landschaft; inzwischen wird im Brotzeitstüberl für uns aufgedeckt – Schweinelendchen oder Cordon Bleu waren vorbestellt. Zum Abendessen unterhält uns der Wirt mit seiner „Quetschn“ und bayerischer Volksmusik, wobei er teilweise von Tochter und Enkel unterstützt wird, die ebenfalls Ziehharmonika spielen und singen. Im Bus geht es zurück, und wer noch nicht genug hat, kehrt im Campingrestaurant ein.

Am Mittwoch wieder ein Ganztagesbusausflug – diesmal nach Budweis, wieder eine Stadt, die alle Bierliebhaber kennen. Die österreichische Grenze liegt weniger als 1 km vom Campingplatz entfernt, und durch Oberösterreich geht es bei Bad Leonfelden weiter nach Tschechien zum Zwischenziel Hohenfurth (Vyssi Brod). Hier besichtigen wir das im Tudor Stil erbaute neugotische Romantik-Schloss Frauenberg (Hluboka nad Vltau) der Fürsten Schwarzenberg, das mit einer Privatkapelle, einem Theater, einer Bibliothek mit etwa 12000 Bänden, sowie über 140 Gemächern mit Familiensammlungen derer von Schwarzenberg ausgestattet ist und zu den „Top ten“ Böhmens gehört. Im Anschluss fahren wir etwa elf Kilometer längs der Moldau zurück nach Budweis. Im historischen Stadtkern ist ein landestypisches, gemütliches Lokal mit dem Namen „Fleischbänke“ (Masne kramy) unser nächstes Ziel. Dort verspeisen wir leckere böhmische Menüs und trinken Original Budweiser vom Fass. Nach dieser Stärkung begleiten uns freundliche, deutschsprechende Stadtführerinnen und präsentieren uns die historische Altstadt Budweis‘ mit dem herrlichen Marktplatz, dem St. Nikolaus Dom, dem Rathaus, dem Schwarzem Turm etc. Um 17 Uhr beginnt die Rückfahrt über Krummau zum Moldau Stausee und weiter nach Österreich zum Kloster Stift Schlägl mit den historischen „Stifts-(Wein- und Bier-)kellern“. Hier nehmen wir auf einer kurzen Etappe eine Kleinigkeit zu uns und probieren natürlich auch ein Glas österreichischen „Zweigelt“. Dann geht es weiter „nach Hause“.

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Schloss Frauenberg (Foto: Siegfried Orth)
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Das Restaurant Fleischbänke – Masné Krámy in Budweis (Foto: Siegfried Orth)
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Stiftskeller Schlägl (Foto: Siegfried Orth)
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Linz Restaurant Fischerhäusl (Foto: Siegfried Orth)
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Die Pöstlingbahn (Foto: Siegfried Orth)
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Gruppenbild auf dem Pöstlingberg über Linz (Foto: Siegfried Orth)

Am Donnerstag geht es im Bus wieder nach Österreich – diesmal in die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz, die drittgrößte Stadt Österreichs. Nach schöner Fahrt entlang der Donau halten wir unmittelbar am „Hauptplatz/Landstraße“ und steigen hier um in zwei Kleinbahnen, die uns innerhalb fünfzig Minuten die sehenswerte Altstadt mit all den Kulturdenkmälern präsentieren. Am Ende überquert das Bummelbähnchen die „schöne, blaue Donau“ und hält direkt vor dem Geheimtipp-Restaurant „Fischerhäusl“. Endlich gibt es wieder etwas zu Essen nach dem Motto der Restaurantbetreiber: „Regionale Speisen aus Österreich, frisch gekocht!“ Gestärkt an Leib und Seele laufen wir die kurze Strecke zum Hauptplatz und steigen dort in die „Historische Pöstlingberg-Bahn“ zur Fahrt auf den Pöstlingberg ein. In gut zwanzig Minuten haben wir die Bergstation in einem Turm der früheren Festungsmauer erreicht und genießen einen herrlichen Panoramablick über Linz. Im Cafe-Lounge „Pöstlingberg’s“ gibt es Kaffee und Kuchen oder Eis „mit Schlag“. Dann hat auch unser Bus den Gipfel erklommen und holt uns ab zur Rückfahrt nach Lackenhäuser.

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RU- Information am Abschiedsabend (Foto: Siegfried Orth)
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Die MSa wird interessiert gelesen (Foto: Siegfried Orth)
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Ein neues RU- Mitglied aus Luxemburg wurde gewonnen (Foto: Siegfried Orth)

Der beginnt im Campingrestaurant um 19 Uhr, wieder mit Live- Unterhaltungs- und Tanzmusik.  Albert Knaus verabschiedet uns mit launigen Worten und lädt natürlich gleich zum nächsten, dem 5. Reisemobiltreffen Bayrischer Böhmerwald ein, das im Mai 2018 an gleicher Stelle, aber natürlich mit anderem Programm (weniger lange Busreisen!) stattfindet. Er gibt dem RU- Präsidium die Gelegenheit, den Dachverband näher vorzustellen; alle Teilnehmer hatten bereits bei Ankunft eine MobilSzene aktuell bekommen, und hin und wieder konnte man sehen, dass die auch gelesen wurde. Natürlich nutzten viele auch die Gelegenheit, mit dem Präsidenten direkt zu sprechen, und einige Mitgliedsanträge wurden auch gleich ausgefüllt und unterschrieben.

So ging eine erlebnisreiche Woche zu Ende, in der wir rund um die Uhr umsorgt und betreut worden waren – ein echtes (fast) all inclusive Treffen, wie versprochen. Am nächsten Morgen noch gemeinsames Frühstücksbuffet, und dann machen sich alle auf die Heim- oder Weiterreise.

Unser herzlicher Dank gilt Albert und Kerstin Knaus für dieses unvergessliche Erlebnis.

Siegfried Orth