Nach langer Planung machten sich im Juni 2026 die Mitglieder der Reisemobil Union auf den Weg nach Schweden. Ziel der gemeinsamen Reise war Färlöv bei Kristianstad, der Stammsitz des RU-Fördermit¬glieds ALDE. Insgesamt nahmen 18 Reisemobile mit 34 Reisenden an der Tour teil. Die Idee zu dem Besuch hatte Thomas Braun, seit Mai 2025 Geschäftsführer von ALDE Deutschland. Er koordinierte gemeinsam mit der schwedischen Muttergesellschaft den Termin für die Reisemobil Union.
Schweden und Camping gehören seit jeher eng zusammen. So ist es kein Wunder, dass hier, im kleinen Ort Färlöv bei Kristianstad, der Tüftler und Erfinder Alde Rask, der schon seit 1949 diverses Anhängerzubehör konstruiert und produziert hatte, sein Interesse zunehmend auf Wohnwagenheizungen verlegte, mit denen seine Firma schnell zum Marktführer aufstieg. In den kalten skandinavischen Wintern konnte er mit seiner mobilen Warmwasserheizung auch im Wohnwagen ein Wohlfühlklima „wie zu Hause“ erzeugen.
Schon lange ist ALDE auch im Ausland aktiv und hat seine Produkte auch für den Einsatz in Reisemobilen weiterentwickelt. 2001 wurde eine Tochtergesellschaft in Deutschland gegründet, weitere folgten in Großbritannien und den USA. Seit 2019 gehört ALDE zur Truma-Gruppe. Entwicklung und Produktion befinden sich jedoch weiterhin am Stammsitz in Färlöv, wo rund 90 Mitarbeiter tätig sind.
Die Anreise nach Schweden gestalteten die Teilnehmer individuell. Einige waren bereits längere Zeit unterwegs, andere reisten gezielt zum gemeinsamen Treffpunkt an. Die Wege führten mit der Fähre über Helsingör, Rostock oder Travemünde sowie über die Öresundbrücke. Sammelpunkt war der Charlottborgs Campingplatz in Kristianstad, rund acht Kilometer von Färlöv entfernt. Die ersten Reisenden wurden dort zunächst mit Gewitter, Sturm und strömendem Regen begrüßt. Entsprechend eindeutig fiel die Nachricht an alle anderen aus, die noch unterwegs waren: „Bringt Gummistiefel mit!“ Doch das Wetter hatte ein Einsehen. Als die letzten Teilnehmer eintrafen, schien bei angenehmen 19 Grad die Sonne. In den folgenden Tagen stiegen die Temperaturen sogar weiter. Dazu kamen täglich 17 bis 18 Sonnenstunden. Mittsommer stand schließlich unmittelbar bevor.
Auf dem Campingplatz wurden schnell die ersten Reiseerlebnisse ausgetauscht und Tipps für die Erkundung der Umgebung weitergegeben. Vor allem aber richtete sich die Aufmerksamkeit auf den Besuch bei ALDE.
Am nächsten Morgen machte sich die Gruppe mit dem Linienbus auf den Weg nach Färlöv. Am Firmengelände wartete bereits Thomas Braun, der eigens aus Deutschland angereist war. Nach einer Einführung in die Geschichte des Unternehmens, das aktuelle Produktportfolio und die internationalen Aktivitäten folgte für viele der spannendste Teil: die Besichtigung der Produktion. In kleineren Gruppen erhielten die RU-Mitglieder Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Fertigung.
Besonders interessant war die Klimakammer, wo ALDE zusammen mit Caravanherstellern den Einbau und die Funktion der Heizsysteme bei Außentemperaturen bis weit unter den Gefrierpunkt testen kann. Als winterfest gilt ein Wohnmobil, wenn es bei -15°C innerhalb von vier Stunden auf 20°C aufgeheizt werden kann; gemessen wird in der Fahrzeugmitte – an anderen Messpunkten im Fahrzeug darf die Temperatur davon um maximal 7 Grad abweichen. Der Anspruch von ALDE ist es, diese Forderungen zu übertreffen, wobei das A und O die entsprechende Verteilung der einzelnen Komponenten im Fahrzeug durch den jeweiligen Hersteller ist.
Beeindruckt zeigte sich die Gruppe vor allem davon, dass alle Entwicklungs- und Herstellungsprozesse an einem Ort konzentriert ablaufen. Nach der ausführlichen Besichtigung und einem gemeinsamen Mittagsimbiss ging es zurück zum Campingplatz.
Nach dem technischen Teil der Reise rückte nun eine der bekanntesten schwedischen Traditionen in den Mittelpunkt: das Mittsommerfest. Blumenkränze, gemeinsames Essen und Tänze rund um den geschmückten Mittsommerbaum gehören in Schweden fest dazu. Auch die RU-Mitglieder wollten diese Tradition kennenlernen. Den Anfang machte ein gemeinsames Mittsommeressen auf dem Campingplatz. Serviert wurden unter anderem eingelegter Hering mit Dillkartoffeln und einer Quark-Sahne-Soße. Die mehrstöckige Erdbeertorte musste allerdings zunächst warten – nach dem ersten Gang war eine Pause willkommen. So wurde aus dem geplanten Nachtisch kurzerhand Kaffee und Kuchen. Am Abend folgte mit der Matjestårta, einem herzhaften Schichtkuchen unter anderem aus Fisch, Käse, Eiern, Kartoffeln, Zwiebeln und Dill, eine weitere schwedische Spezialität.
Bleibt die Frage nach dem Aquavit und die Mittsommer-Trinkregeln: Dazu gehören mindestens drei Sorten Schnaps und die traditionellen Trinklieder. Im Stockholmer Spritmuseum sind zirka 12.000 Trinklieder gesammelt. Die Reisegruppe war hier jedoch zurückhaltend und gab sich mit einer stark reduzierten Schnapsrunde zufrieden.
Am folgenden Tag ging das Mittsommerprogramm im Tivolipark von Kristianstad weiter. Die Teilnehmer machten sich in mehreren Gruppen auf den Weg – mit dem Bus, mit dem Fahrrad und die Hundebesitzer zu Fuß. Im Park zeigte eine Volkstanzgruppe in traditionellen Trachten schwedische Tänze rund um den geschmückten Mittsommerbaum. Später waren auch die Zuschauer zum Mitmachen eingeladen.
Bei inzwischen sommerlichen Temperaturen waren allerdings vor allem die Schattenplätze begehrt. Und auch beim abschließenden Mittanzen hielt sich ein Teil der RU-Reisegruppe lieber etwas weiter hinten.
Natürlich durften auch die typischen Blumenkränze nicht fehlen. Der Tradition nach sollen die Blumen dafür schweigend gepflückt werden, damit der Zauber nicht verfliegt. Ob sich wohl alle daran gehalten haben?
Zwischen den gemeinsamen Programmpunkten blieb ausreichend Zeit, Kristianstad und die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Die Stadt bietet einen gut erhaltenen historischen Stadtkern und zahlreiche touristische Ziele.
In unmittelbarer Nähe des Campingplatzes liegt das „Wasserkönigreich“ Kristianstads Vattenrike, eine weitläufige Landschaft mit Feuchtgebieten, Seen und Wasserläufen. Ein Besucherzentrum informiert über die Besonderheiten der Region. Auch mehrere Strände sowie zahlreiche Wander- und Radwege bieten sich für Ausflüge an.
Langweilig wurde es während der Tage in Schweden jedenfalls nicht. Gleichzeitig blieb genügend Zeit für das, was zu einer RU-Reise ebenfalls dazugehört: Auf dem Campingplatz saßen die Mitglieder immer wieder in kleinen und größeren Gruppen zusammen, tauschten Erfahrungen aus, planten die nächsten Reiseetappen und natürlich wurde zwischendurch auch an dem einen oder anderen Reisemobil geschraubt.
Am 21. Juni traten die ersten Teilnehmer die Heimreise an, während andere noch einige Tage oder Wochen in Skandinavien blieben. Anfang Juli hatten sich schließlich fast alle wieder gesund und unfallfrei zu Hause zurückgemeldet. Zwei Paare waren zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs: die einen inzwischen in Lappland, die anderen auf ihrer Ostseerundreise in Finnland.
So ging eine Mitgliederreise zu Ende, bei der der Blick hinter die Kulissen bei ALDE ebenso in Erinnerung bleiben dürfte wie das gemeinsame Erleben des schwedischen Mittsommers und die vielen Begegnungen unterwegs.
Ein besonderer Dank gilt John Bexkens und Hans Heitmeyer, die die Reise organisiert und damit diese abwechslungsreichen Tage in Schweden möglich gemacht haben.
Text: Siegfried Orth