Deutschland schafft den „Lappen“ ab

Erstellt von Winfried Krag | | Allgemein

Mehr als 43 Millionen Bürger müssen ihren Führerschein gegen einen neuen eintauschen, die ersten bereits bis 2022. Selbst viele neuere Führerscheine sind betroffen.

Wer ist betroffen, Worum geht es? Antworten auf die wichtigsten Fragen

Laut EU-Richtlinie sollen bis 2033 alle Führerscheindokumente, in allen Mitgliedsstaaten einem gemeinsamen, fälschungssicheren Standard entsprechen. Um Missbrauch zu verhindern sollen alle Führerscheine in einer Datenbank erfasst werden. Betroffen sind alle Dokumente, die vor dem 19.01.2013 ausgestellt wurden.

Fristen für den verpflichtenden Umtausch.

Der Bundesrat hat ein Staffelmodell beschlossen, nach dem rund 43 Millionen Führerscheine in Deutschland gegen ein neues Dokument ausgetauscht werden müssen. Um Chaos und Engpässe zu vermeiden, hat der Bundesrat daher ein Staffelmodell beschlossen: Die ersten bereits 2022 - die von der EU gesetzte Frist endet dagegen erst im Jahr 2033.

Der Umtausch der Führerscheine wird nach dem Ausstellungsdatum gestaffelt.

Das Gesetz (Anlage 8e zur Fahrerlaubnisverordnung) zur Einführung des Stufenplans ist bereits in Kraft getreten und setzt damit die EU-Richtlinie 2006/126/EG um.

Konkret geht es um ca. 15 Millionen bis 31.12.1998 ausgestellte (Papier-Führerscheine) sowie um weitere ca. 28 Millionen seit dem 1.1.1999 bis 18.1.2013 ausgegebene Scheckkartenführerscheine, die umgetauscht werden müssen. Da ein Antrag auf den Umtausch des Führerscheins nur persönlich gestellt werden kann, muss auch im Interesse der Bürger sichergestellt werden, dass der Umtausch für den einzelnen ohne längere Wartezeiten möglich ist.

Durch den Stufenplan ändert sich nichts an der Vorgehensweise beim Umtausch selbst: Das Dokument wird auf Antrag verwaltungsmäßig umgetauscht, also ohne Untersuchung oder Prüfung bei den normalen Motorrad- und PKW-Klassen. Wer dennoch weiter mit seinem alten Pkw- oder Motorrad-Führerschein fährt und die Frist für den Umtausch verstreichen lässt riskiert ein Verwarnungsgeld. Wichtig: Man begeht jedoch keine Straftat – anders bei Lkw- und Bus-Führerscheinen!

Was brauche ich für den Umtausch des Pkw- oder Motorradführerscheins?

Personalausweis oder Reisepass, biometrisches Passfoto und den aktuellen Führerschein. Wurde der alte (rosa oder graue) Führerschein nicht von der Behörde Ihres aktuellen Wohnsitzes ausgestellt, dann benötigen Sie außerdem eine sog. Karteikartenabschrift, der Behörde, die den Führerschein ursprünglich ausgestellt hat.

Welche Klassen werden in das neue Führerscheindokument eingetragen?

Bei der Umstellung von Fahrerlaubnisklassen alten Rechts (z. B. Klasse 2 oder 3) und dem Umtausch von Führerscheinen nach bisherigen Mustern (z. B. grauer oder rosafarbener Führerschein) werden im neuen Führerschein die Klassen bestätigt, die der bisherigen Fahrberechtigung entsprechen. Eine umfangreiche Umtauschtabelle beinhaltet Anlage 3 zur Fahrerlaubnisverordnung.

Wieviel kostet der Umtausch?

Die Kosten betragen rund 25 Euro.

Wo und wie oft muss umgetauscht werden?

Für den Umtausch ist die Führerscheinbehörde des aktuellen Wohnsitzes zuständig. Die Pkw- und Motorradklassen gelten unbefristet fort. Nur die Gültigkeit des Führerscheins wird auf 15 Jahre befristet.

Wie hoch ist das Verwarnungsgeld bei unterlassenem Umtausch?

Es drohen 10 Euro Verwarnungsgeld.

Darf ich mit dem alten Pkw- oder Motorrad-Führerschein im Ausland fahren?

Das hängt vom jeweiligen Reiseland ab. Es kann im Einzelfall zu erheblichen Problemen kommen.

Welches Datum in meinem Führerschein ist das Entscheidende?

Das Ausstellungsdatum des Führerscheindokumentes (nicht das Erteilungsdatum!) ist entscheidend. Sie können es dem Führerscheindokument entnehmen, welches Sie aktuell in Händen halten. Dieses Datum ist entscheidend für die Frage welche Tabelle in Ihrem Fall einschlägig ist.

Alle Führerscheindokumente mit Ausstellungsjahr ab 1.Januar 1999 müssen daher entsprechend der zweiten Tabelle umgetauscht werden. Wessen Ausstellungsjahr vor dem 1.Januar 1999 liegt, der muss sich an der ersten Tabelle (gegliedert nach Geburtsjahr) orientieren.

Hier die Fristen zum Führerscheinumtausch:

Papierführerscheine: 
GeburtsjahrStichtag
vor 195319.01.2033
1953-195819.01.2022
1959-196419.01.2023
1965-197019.01.2024
ab 197119.01.2025
Kartenführerscheine 
AusstellungsjahrStichtag
1999-200119.01.2026
2002-200419.01.2027
2005-200719.01.2028
200819.01.2029
200919.01.2030
201019.01.2031
201119.01.2032
2012-18.01.201319.01.2033

(Diese Angaben sind ohne Gewähr!)

Wie ändern sich die Fahrzeugklassen?

Bis zum 31.12.1998 waren die Führerscheinklassen sehr übersichtlich und reichten nur von Klasse 1 bis Klasse 5.

Seit 1999 wurden diese in sieben neue, mit Buchstaben benannte Klassen überführt und die Führerscheine als Plastikkarte ausgestellt. Im Jahr 2013 erfolgten noch weitere Unterklassen.

Der Führerscheintausch stellt die Inhaber der Fahrerlaubnis nicht schlechter, die alten Klassen werden nur in neue Buchstaben übersetzt.

Das führt dazu, dass ein Führerschein der Klasse 3, der im Zeitraum von 1989 bis 1998 erworben wurde, in die neuen Klassen A, A1, AM, B, BE, C1, CIE und L überführt wird.

Was genau aus welcher Klasse wird, kann man im Internet nachlesen.

Winfried Krag

 

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Führerschein (Foto: andibreit/Pixabay)